Künstlerhaus Jan Oeltjen e. V.
Künstlerhaus Jan Oeltjen e. V.

Jan Oeltjen

Hier und auf den folgenden Unterseiten finden Sie Informationen über Leben und Werk von Jan Oeltjen.

 

Einen ersten schnellen Einstieg in den Lebenslauf von Jan Oeltjen finden Sie hier. Dazu geben die Galeriebilder einen Eindruck von der entsprechenden Phase seines Lebens. Für eine Vertiefung klicken Sie bitte einfach die unterstrichenen Jahreszahlen an.

 

1880-1901

 

Am 15.8.1880 als ältestes von fünf Kindern in Jaderberg auf dem Bauernhof des Ehepaares Gerd und Helene Oeltjen geboren. Nach Besuch der Oberrealschule Beginn eines Architekturstudiums in Hannover. 1901 Wechsel nach Berlin, um Kunst zu studieren.

1901-1910

 

Der Besuch privater Malschulen sollte eigentlich zur Vorbereitung auf die Akademie der Künste dienen (die er jedoch nie besuchen sollte). Bestärkt durch Franz Lippisch, seinen Berliner Lehrer, reiste Oeltjen stattdessen durch Europa. Mit dem Wechsel nach München versuchte Oeltjen sich dann nur noch autodidaktisch auszubilden. Stilistisch geriet auf die Suche nach der Überwindung spätimpressionistischer Freiluftmalerei. Hans von Marées wurde ihm dabei zum Vorbild; Einflüsse von Cézanne und Munch wurden allenthalben sichtbar. In Italien begann Oeltjen zudem mit Radierungen. Der ersten Heirat mit Johanna Feuereisen, ebenfalls Schülerin von Franz Lippisch folgte im Frühjahr 1910 die Geburt der Tochter Leni in Rom. Im selben Sommer kam es zur Begegnung mit Elsa Kasimir. Es schlossen sich die Scheidung von Johanna und Verlobung mit Elsa an.

1911-1915

 

1911 Heirat mit Elsa Kasimir, Ankauf eines Weingutes in ihrer Heimat bei Pettau (heute Ptuj, Slowenien), Wohnsitz in Wien, regelmäßige Ferien und Malaufenthalte in Italien, insbesondere Ischia. 1912 Geburt der Tochter Ruth in Graz. Erste Zerwürfnisse in der Ehe. Deutlich expressivere Stimmung in Bildern, gleichwohl auf Harmonie in Linienführung und Farbigkeit bedacht.

1915-1918

 

Verunsicherung bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges, nationale Selbstbestätigung im Tagebuch bald vorüber. 1915 als Ungedienter in das Königlich Bayerische Landwehr Infanterie Regiment II einbezogen, 1918 als Leutnant entlassen. Erfahrung existentieller Ängste und Nöte an der Vogesenfront und in Lettland. Färbung der Palette in dunklen Erdtönen; kleinformatige Bilder, vornehmlich Aquarelle, herausragende Soldatenportraits, jedoch keine einzige Darstellung von Gefechtsszenen. Suche nach überzeitlichen Motiven; Hinwendung zu expressiver Darstellungsweise, profunde Kenntnisse der expressionistischen Literatur

1919-1930

 

Auf die Jahre des Krieges folgte Oeltjens produktivste Zeit und sie bildet den unübersehbaren Höhepunkt in seiner schöpferischen Tätigkeit. Lebensmittelpunkt war zunächst Jaderberg. Bei den Honoratioren dort und im nahegelegenen Oldenburg hoffte er auf verständige Sammler und Käufer und wurde auch nicht enttäuscht. Nach dem Leben in den Metropolen Berlin, München und Wien fand er sich jedoch nur unzulänglich mit dem gesellschaftlichen Leben ab, das er in der ehemaligen Residenzstadt vorfand. Er suchte die Nähe zu einem Kreis, der sich locker um das Theater und den Stalling-Verlag herausgebildet hatte. Unterstützung fand er auch bei Walter Müller-Wulckow, dem Leiter des Oldenburger Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte. Dennoch brachte seine künstlerische Tätigkeit nicht die notwendige Honorierung für ein Leben mit zwei Haushalten, denn das Weingut im mittlerweile jugoslawischen Varea bestand weiterhin. Elsas Gesundheitszustand erforderte Kuraufenthalte in Hochgebirgs- bzw. Küstenklima. Um die Ehe des Paares stand es zudem aus privaten Gründen nicht zum Besten. Oeltjen erreichte eine Loslösung von seinen alten künstlerischen Vorbildern, wenngleich ihm im Bereich seiner Graphik eine Nähe zum Brücke-Umfeld nicht abgesprochen werden kann. Er erarbeitete sich einen moderat expressionistischen Stil, der zum Ende des Jahrzehnts zudem zeittypisch in neusachlichere Darstellung umschwenkte. Anfangs der 30er Jahre erkannte Oeltjen, dass die Weingüter der Familien (aus der Kasimir-Linie seiner Frau stammte Maiberg, ein zweites Weingut) seine ungeteilte Aufmerksamkeit erforderten, sollten sie nicht aus Mangel an Leitung im Ruin enden.

Oeltjens Graphik war oft in Zyklen gedacht und als Mappenwerk konzipiert. Hier trat der epische Erzähler in den Vordergrund, der Handlungsabläufe analysierte und komponiert in die Wiedergabe brachte. Oeltjen hätte sich durchaus als Pendant zum Novellisten erstanden, der nach Auffassung des 19. Jahrhunderts eine "unerhörte Begebenheit" (Goethe) festzuhalten habe. In seinen Gemälden konnte Oeltjen dieser Auffassung nicht treu bleiben. Neben dem Ringen, das hier an Kontur und Fläche sowie Farbigkeit und Licht zutage trat, galt es, den entscheidenden Moment in einem Bild zu kreieren, der in der Graphik auf mehrere Blätter verteilt sein konnte. Seine Bilder sind vielschichtig und häufig mit scheinbar nebensächlichen Details beladen, die vom Bedeutungsgehalt jedoch nicht zu unterschätzen sind. Es entstehen Stereotypen: die grundsätzliche Bedeutung, die etwa das Spiel der Hände in seinen Portraits hat, fiel schon zeitgenössisch als bedeutsam auf. 

1930-1945

 

Um 1930 endete eine Phase in Oeltjens Leben, die später trefflich mit dem Begriff "Reisejahre" gekennzeichnet wurde. Gemeint ist der Umstand, das Oeltjen sich nun auf lange Zeit auf einen Lebensmittelpunkt, nämlich die Landschaft der Haloze, festgelegt hatte. Da schließt selbstredend Reisen und Aufenthalte anderen Orts später nicht aus. Die Konzentration auf seine Arbeit als Weinbauer bedingte offenbar eine Abnahme seiner Kreativität. Allerdings trug die in den 30er Jahren allgemein auffällige Orientierungslosigkeit der Kunst ihren Teil dazu bei, das Oeltjens Kunst in diesen Jahren erstaunlich blass blieb. Die politischen Zeitläufte nahmen ihren Anteil an dieser Entwicklung. Den politischen Aufsteig sah der Künstler Oeltjen mit Grauen, weil seine Auffassung von Kunst diametral der offiziösen Kunstpolitik gegenüberstand. Im Zuge der "Entarteten Kunst" wurden auch Arbeiten von Oeltjen aus Museen entfernt und verschwanden vermutlich unwiederbringlich. Gleichwohl betrachtete Oeltjen eine Entwicklung durchaus mit Wohlgefallen, die er als Wiedererstarkung Deutschlands bezeichnet hätte. Er stand sich durchaus gut mit vereinzelten Machthabern aus Partei und Verwaltung, gleich ob in Oldenburg oder in Pettau. Bilder von ihm wurden in bescheidenem Rahmen von öffentlicher Hand erworben. Höhepunkt dieser Entwicklung war die Ausgestaltung einer Wand im Oldenburger Landtag mit einem Fresko, das neben verschiedenen Berufsständen auch marschierende Wehrmacht und Hitlerjugend zeigt.

Das einschneidendste Ereignis dieser Jahre war indes privater Natur: Ende 1944 starb Elsa nach unerwarteter Krankheit. Auch wenn die Ehe über Jahrzehnte Tiefpunkte erlebte, die scheinbar auf eine Auflösung der Verbindung hinausliefen, so hatte sich das Paar doch stets wieder zusammengefunden. Zu diesem Verlust trat bereits im Kriegsverlauf die Zerstörung etlicher im Atelier gelagerter Arbeiten hinzu.

1945-1960

 

Der Neuanfang nach Kriegsende beinhaltete beinahe den Verlust der Existenzgrundlage: Oeltjen wurde zeitweilig interniert, wobei unklar bleibt, ob es konkrete Vorwürfe gegen ihn gab oder ob er völlig unpersönlich in eine ethnische Säuberungswelle geraten war. Die Weingüter wurden enteignet und nur eine Anstellung als Restaurator im Museum von Ptuj vermöglichte ihm den Verbleib in Jugoslawien. Offenbar war ihm nicht daran gelegen, nach Jaderberg zurückzukehren. Auch mit der Wiederaufnahme der Reisefreiheit machte Oeltjen nur noch sporadisch Besuche in Deutschland. Künstlerisch waren es Jahre der vergeblichen Suche nach einer neuen Richtung. Mit dem Aufstieg der ungegenständlichen Kunst vermochte sich Oeltjen ebenso wenig anfreunden wie mit dem Realismus sozialistischer Prägung. Es waren Jahre der Reminiszenzen; Oeltjen bearbeitete alte Entwürfe, portraitierte weiterhin und schuf Landschaft auf Landschaft. Hatte er schon eine lange Verbundenheit mit dem Wald in seinem Werk gezeigt,so intensivierte sich das in diesen Jahren. Menschen am Waldrand zeigen seine Bilder nun in immer neuen Varianten. Dabei wurde seine Palette bunter und blasser. Die Reihe seiner gewöhnlich mit dem Jahreswechsel entstandenen Selbstportraits zeigte ihn indes als unbestechlichen Beobachter des eigenen Alterns. Oeltjen fehlte die künstlerische Auseinandersetzung früherer Jahre. Der überwiegend briefliche Kontakt etwa zu seinem Künstlerfreund Gerhard Marcks konnte nicht als Ersatz herhalten. Erst zögerlich aufgenommene Bekanntschaften zu jugoslawischen Künstlern bestätigten ihn darin, seinem alten Werk weiter zu folgen.

1960-1968

 

In den letzten Jahren kam Oeltjen immer seltener zur Arbeit an seinem Werk: er verlor seine Sehkraft. Die letzte bekannte Zeichnung von seiner Hand (s. u.) zeigt einen erschreckenden Verlust von Sicherheit im Duktus, obschon die Komposition von jahrzehntelanger Erfahrung zeugt. Am 13. Februar 1968 starb Jan Oeltjen nach kurzer Krankheit.

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